Ton aufnehmen mit Video-DSLRs

Dokumentationen leben von schönen, starken und beeindruckenden Schnittbildern, aber das Fundament bilden in der Regel Interviews, die man mit den unterschiedlichsten Personen führt, weil man glaubt, sie könnten etwas zum Thema der Dokumentation beitragen.

Die Frage, ob man als No-Budget-Filmer beim Dreh auf eine Video-DSLR setzt, stellt sich eigentlich nicht; jedenfalls dann nicht, wenn man mit filmisch anmutenden Bildern punkten möchte. Doch wie zeichnet man sauberen Ton mit einer Video-DSLR auf? Was muss man beim Dreh beachten und welche Möglichkeiten bieten sich einem?

Möglichkeit 1: Ton direkt mit der Video-DSLR aufzeichnen

dslr-ton-foto-01

Wer eine Kamera wie die Panasonic GH3 sein Eigen nennt, hat Glück, denn an der GH3 kann man den Ton während der Aufzeichnung a) manuell auspegeln und b) kann man den Ton während der Aufzeichnung auch live über Kopfhörer vorhören, um sicher zu gehen, dass der Interviewton sauber aufgezeichnet wird.

Wir haben mit dieser Methode sehr gute Erfahrungen gesammelt und können sie deshalb nur weiterempfehlen. Es war bislang egal, ob wir ein kabelgebundenes Mikro oder eine Funkstrecke an die GH3 angeschlossen haben, der aufgezeichnete Ton war hervorragend.

Möglichkeit 2: Ton mit einem Richtmikrofon aufzeichnen

dslr-ton-foto-02

Es gibt zwei Arten von Interviews: Die einen plant man von länger Hand, man organisiert eine Location, verabredet eine Zeit mit der Person, die man interviewen möchte, und wenn man es geschickt anstellt, hat man sogar noch vor dem Dreh Zeit, in Ruhe aufzubauen. ;-)

Die anderen Interviews finden spontan zwischen Tür und Angel statt, man schnappt sich die Person, von der man glaubt, sie habe etwas zu sagen, in einer freien Sekunde und dann heißt es sofort: Kamera, Licht und Bitte…

In solchen Momenten bietet sich der Einsatz eines Richtmikros an, denn die Personen sprechen in der Regel eh direkt in die Kamera und das Richtmikro sollte von daher deren Stimme gut aufzeichnen können.

Beim Dreh mit If Destiny Remains habe ich genau diese Taktik angewendet, weil meine Panasonic GH1 nicht die Audiofunktionen (manueller Pegel, Kopfhörerausgang) der GH3 mitbringt. Das Ergebnis der Tonaufnahme ist, ich sage mal, ganz okay ausgefallen. ;-) Jetzt gibt es natürlich Richtmikros und es gibt Richtmikros und der Zoom H1 zählt nicht unbedingt dazu, hat dafür aber, wie gesagt, einen passablen Job gemacht. Man kann verstehen, was die Jungs zu sagen haben und das ist die Hauptsache.

Der Zoom bringt noch eine weitere Eigenheit mit, schließlich muss man den Ton später im Schnittprogramm noch synchronisieren, weil man nicht direkt in die Kamera aufzeichnet hat, aber dazu mehr bei Möglichkeit 3…

Möglichkeit 3: Ton aufnehmen mit einem externen Audio Recorder

dslr-ton-foto-03

Die Tonaufnahme mit einem externen Audio Recorder bietet beinahe genauso viele Vor- wie Nachteile:

Auf der Habenseite stehen ein sauber aufgezeichneter Ton, die Möglichkeit, den Ton während der Aufzeichnung vorhören zu können und den Audio Recorder gepaart mit einem Ansteckmikro als quasi Funkstrecke zu nutzen.

Die Nachteile bei der Tonaufzeichnung mit einem externen Audio Recorder liegen darin, dass man den Ton während der Aufzeichnung schlecht bis gar nicht manuell aussteuern kann, vor allem dann nicht, wenn die Person, die man interviewt, den Audio Recorder in der Hosentasche mit sich herumträgt. Außerdem muss man den Ton später im Schnittprogramm synchronisieren, was mit Final Cut Pro X dank der automatisierten Synchronisationsfunktion kein großes Problem darstellt, aber nichtsdestotrotz mehr Zeit kostet als die Tonaufzeichnung direkt in die Kamera, wie in Möglichkeit 1 beschrieben.

Nach dem Dreh mit If Destiny Remains, habe ich mir ein Lavalier Mic gekauft und das gemeinsam mit dem Zoom H1 als quasi Funkstrecke für ein kurzes Interview mit Rasmus benutzt. Bevor Rasmus den Zoom H1 in seine Hosentasche gesteckt hat, habe ich meine Kopfhörer Angeschlossen und ihn gebeten etwas für eine kurze Testaufnahme zu sagen. Ich pegelte den Ton aus, hörte in die Testaufnahme rein und nachdem ich sicher war, dass der Ton mit großer Wahrscheinlichkeit gut klingen würde, drehten wir das eigentliche Interview.

Du entscheidest!

Welche dieser drei Möglichkeiten man sich letzten Endes zu Nutze macht, ist eigentlich egal, wichtig ist nur, dass der Ton am Ende gut klingt.

Videofilmer, die mit Canon DSLRs drehen, kommen eigentlich gar nicht drumherum, einen externen Audio Recorder wie den Zoom H1 oder ähnliche einzusetzen, weil die Canon Kameras bis auf die 5D Mark III keinen Kopfhörerausgang integriert haben, über den man während der Aufzeichnung den Ton vorhören könnte.

Wer hingegen eine Panasonic GH3 besitzt, hat die Qual der Wahl. Luxusprobleme… ;-)

About the Author

Sebastian

Sebastian Wiegmann ist Regisseur, Editor und Videooutlaw. Er liebt es, Momente in bewegten Bildern festzuhalten und überlebensgroß zu inszenieren.

Author Archive Page

Was sagst du dazu?